Der erste Sammel-Landkreis in ganz Deutschland

Foto: Auf dem Parkplatz des Wenden-Centers in Wendelstein steht der erste Sammelautomat im Kreis Roth außerhalb der ILE-Kommunen. Hubert Zenk, Heiko Lesch (von links), Landrat Herbert Eckstein (rechts) und Wendelsteins Bürgermeister Werner Langhans freuen sich über die Ausweitung der Aktion. | Foto: Luff

Thalmässinger Firma Lesch rüstet alle 16 Kommunen im Landkreis Roth mit Altfett-Automaten aus

Quelle: Volker Luff, Hilpoltsteiner Kurier/Donaukurier

Thalmässing/Wendelstein – Am Thalmässinger Wesen soll die Umwelt genesen. Nein, das ist wohl ein wenig übertrieben. Aber dass die Altfett-Sammelaktion, die das Thalmässinger Recycling-Unternehmen Lesch ins Leben gerufen hat, dabei hilft, klimaschädliches CO2 einzusparen, ist unbestritten. Was in den Städten Greding, Heideck und Hilpoltstein sowie den Gemeinden Allersberg und Thalmässing seit Jahren erprobt ist – das Sammeln von Altfett in Privathaushalten -, kommt jetzt auch im Rest des Landkreises an. Den Anfang macht Wendelstein.

“Durch die fünf Erprobungsgemeinden war es für alle leichter”, sagt Landrat Herbert Eckstein (SPD) bei der Inbetriebnahme des ersten Sammelautomaten ausgerechnet in seiner Heimatkommune. Nach ein paar Diskussionen ließen sich die Kreisräte letztlich überzeugen. 250000 Euro investiere der Kreis über drei Jahre, so Eckstein. Bei Müllgebühren in Höhe von zwölf Millionen falle das kaum ins Gewicht, außerdem “muss man das unter dem Gesichtspunkt der Abfallvermeidung sehen”. Hinzu kommt, dass beispielsweise der Ruppmannsburger für seine Abfallbeseitigung ohnehin nur die Hälfte dessen bezahlt, was einen Steinwurf entfernt der Haushalt in Wengen löhnen muss – der Kreis Weißenburg-Gunzenhausen entsorgt seinen Müll weitaus teurer.

Zahl der Automaten wird verdreifacht

Statt der bislang 9 Sammelcontainer in den südlichen Gemeinden – inklusive einem am Landratsamt – stehen nun bald 27 im Landkreis. “Bis Mitte Dezember” sei es so weit, prognostiziert der Geschäftsführer von “Jeder Tropfen zählt”, Hubert Zenk. Die Firma ist mittlerweile ein eigenständiges Un-ternehmen unter dem Dach der Altfett-Recyclingfirma von Heiko Lesch. 

Werner Langhans (CSU), der Bürgermeister von Wendelstein, lässt sich von Zenk derweil haarklein den Automaten erklären. 200 Behälter in einer Größe von 1,2 Litern enthalte der, so Zenk. Die nächste Generation werde schon keine Batterie mehr haben, die Technik werde dann mittels eines Solarpaneels mit Strom gespeist. Der kleine Behälter enthalte mittlerweile 20 Prozent schon recyceltes Plastik, sagt Zenk, Nachhaltigkeit werde großgeschrieben. “Wir lernen immer noch dazu.”

Mit jedem Automaten, der an einem gut frequentierten Platz – etwa bei einem Supermarkt – aufgestellt wird, werde auch ein Automatenpate gesucht so Zenk. Tritt einmal eine Störung auf, beispielsweise weil jemand einen unpassenden Behälter hineingestopft hat, bekomme er eine elektronische Meldung und könne dann den Paten informieren. Auch wenn der Automat zu 80 Prozent voll ist, wird die Firma elektronisch benachrichtigt. Bald darauf macht sich ein Lesch-Lastwagen auf den Weg.

Zu Beginn verteilt die Thalmässinger Firma an jeden Haushalt einen der markanten grünen Behälter. Im Pilotprojekt, als sich die Bürger in Hilpoltstein ihren Behälter im Rathaus abholen sollten, habe man festgestellt, dass die Sammlung weitaus besser funktioniert, wenn man von Beginn an keinen Aufwand hat, erklärt Zenk. Weitere Behälter für denjenigen, der fleißig die Fritteuse anwirft und mehr Kapazität braucht, seien im Rathaus vorrätig, ergänzt Bürgermeister Langhans. 

Ziel ist die Sammlung von bis zu 700 Gramm pro Kopf

In den Pilotgemeinden zeichne sich ab, dass heuer 530 bis 550 Gramm Altfett pro Kopf gesammelt werden, so Zenk. Das entspricht ziemlich genau der Vorgabe, die er sich selbst gesetzt hat im dritten Jahr. Im Rest des Landkreises hofft er im ersten Jahr auf eine Menge von 350 Gramm pro Nase. Längerfristig betrachtet “sind 600 bis 700 Gramm die Zielrichtung”, sagt Zenk. “Wir sind da auf einem wirklich guten Weg.” Das sei auch das Ergebnis der Evaluation gewesen. Denn das Pilotprojekt wurde von der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf wissenschaftlich begleitet. “Wir haben eine sehr hohe Sammelquote”, freut sich Firmenchef Heiko Lesch. Nämlich bislang das Sechsfache des Sammelergebnisses per Wertstoffhof – dort kann Altfett bislang auch schon entsorgt werden. Doch tut dies kaum jemand.

Er hoffe, dass der Landkreis Roth nun ein Beispiel gebe, so Eckstein, der Umwelt helfe es, wenn die Firma Lesch auch andernorts Aufträge akquirieren könne. Davon zeigt sich Zenk überzeugt: “Unter Abfallwirtschaftlern wird ja auch gesprochen”, der Einstieg eines ganzen Landkreises habe “Strahlkraft”. Ohnehin gebe es mit Berching und Freystadt zwei einzelne Kommunen im Kreis Neumarkt, im Hohenlohekreis und im Kreis Forchheim sei man auch schon vertreten. Weitere Verhandlungen laufen. Geschäftsführer Zenk zeigt sich optimistisch: “Im nächsten Jahr werden wir 500000 Teilnehmer haben.

Sammelleidenschaft bringt Kickertisch für Schüler ein

Marktgemeinde Thalmässing gewinnt beim ausgelobten Wettbewerb von „Jeder Tropfen zählt“ – System wird ab Herbst auf Landkreis ausgeweitet.

Von Volker Luff, Hilpoltsteiner Kurier/Donaukurier vom 08.09.2021

Thalmässing/Eysölden – In der Fußball-Bundesliga mag der Heimvorteil in Corona-Zeiten zu vernachlässigen sein. Wenn es umTischfußball geht, sieht die Sache offensichtlich anders aus: Die Verbraucher in der Marktgemeinde Thalmässing haben Ihren Heimvorteil offenbar genutzt – weshalb die Grundschule in Eysölden jetzt rechtzeitig vor dem neuen Schuljahr einen neuen Kicker ihr Eigen nennen darf.

Der ist der Preis dafür, dass die Kommune am meisten Spesefette und -Öle gesammelt hat, seit die Recyclingfirma Lesch diese seit Dezember 2018 sammelt. Mit Beginn des Pilotprojekts hatte das Unternehmen seinerzeit einen Wettbewerb ausgelobt zwischen den fünf beteiligten Kommunen der ILE Jura-Rothsee – neben Thalmässing sind das die Städte Heideck, Hilpoltstein, Greding sowie die Gemeinde Allersberg.

Der Sieg der Thalmässinger sei „relativ deutlich ausgefallen”, sagte Projektleiter Hubert Zenk. Weil aber auch die anderen Beteiligten nicht faul waren, lägen die Initiatoren bei der Sammelmenge „insgesamt auf der Linie, die wir uns vorgestellt hatten”. Mit 1,089 Kilogramm (kg) pro Kopf in den jähren 2019 und 2020 hat Thalmässing als einzige Kommune die Ein-Kilogramm-Marke genommen – und damit Greding (0,804 kg), Heideck (0,794 kg), Allersberg (0,701 kg) und Hilpoltstein (0,545 kg) abgehängt. Heuer steht Thalmässing mit bis 0,633 kg übrigens wieder am besten da.

Im Landkreis Roth habe man vor allem im Kreistag „sehr intensiv darüber geredet“, sagte Landrat Herbert Eckstein (SPD). „Jetzt stehen die Leute dahinter.“ Auch deshalb wird die Fettsammlung noch heuer auf den gesamten Kreis ausgedehnt.

Bürgermeister Georg Küttinger (TL) lobte die Firma Lesch, die mit dem Projekt ein finanzielles Risiko eingegangen sei. Es geben vielleicht größere Unternehmen am Markt, doch Heiko Lesch und sein Mitarbeiter Hubert Zenk hätten die Vorreiterrolle übernommen. Er gehe davon aus, dass die gemeindlichen Kläranlagen und die Leitungen entlastet werden, weil das Fett nicht mehr in den Ausguss geschüttet wird.

„Man will etwas Gutes für die Umwelt tun“, sagte Firmenchef Heiko Lesch. Das gelte nicht nur für ihn und das Recyclingunternehmen. Jeder Bürger habe die Möglichkeit sein Scherflein beitzutragen, denn mit jedem 1,2 Liter großen Sammelbehälter lasse sich Biosprit für 20 Kilometer erzeugen – „mit über 90-prozentiger CO2-Einsparung“.

Bettina Scharf, neue Rektorin der Grund- und Mittelschule Thalmässing, durfte als eine ihrer ersten Amtshandlungen den Kicker entgegennehmen. Als Eckersmühlenerin ist „Jeder Tropfen zählt“ bisher an ihr vorbeigegangen. Aber: „Das könnte in ganz Deutschland eine super Sache werden“, blickt Küttinger uziversichltich in die Zukunft. Bis dahin ist es zwar noch ein weiter Weg. Aber immerhin: „Nächstes Jahr sind schon 500 000 Bürger dabei“, sagt Zenk. HK

Altfett-Sammlung in Privathaushalten weitet sich auf ganzen Landkreis aus

Quelle: Volker Luff, Hilpoltsteiner Kurier vom 27.07.2021: https://www.donaukurier.de/lokales/hilpoltstein/Altfett-Sammlung-in-Privathaushalten-weitet-sich-auf-ganzen-Landkreis-aus;art596,4798398

Es ist abzusehen gewesen – und doch hat es relativ lange gedauert, bis im Landkreis Roth nun Nägel mit Köpfen gemacht worden sind: Die Sammlung von gebrauchten Altspeisefetten und -ölen aus Privathaushalten, die im Süden des Landkreises schon seit Ende 2018 üblich ist, wird auf den gesamten Kreis ausgedehnt.

Im Herbst soll dafür der Startschuss gegeben werden. Bislang ist “Jeder Tropfen zählt” hier nur in den fünf Kommunen der ILE Jura-Rothsee bekannt, also in Allersberg, Greding, Heideck, Hilpoltstein und Thalmässing. 

Außerdem natürlich in Fürth und Erlangen: Teile der beiden Städte waren ebenfalls beim Pilotprojekt vor knapp drei Jahren dabei, dort war längst entschieden worden, die dezentrale Sammlung von Altspeisefetten und -ölen aus Privathaushalten in den markanten grünen Sammelautomaten, auf das jeweilige gesamte Stadtgebiet auszudehnen. In Erlangen ist Baiersdorf längst dabei, Bubenreuth folgt derzeit. Mit Berching und Freystadt sind – ganz frisch dabei (siehe Seite 24) – diese Automaten auch im Landkreis Neumarkt zu finden. 

Erregte Diskussionenum den Preis des Sammelns

In Roth aber hatte es im Kreisausschuss für Klimaschutz, Umwelt, Wirtschaft und Regionalentwicklung vor einem Jahr auch kritische Stimmen gegeben: Reinhard Schmidpeter von der AfD beispielsweise hatte davon gesprochen, dass man die Mehrkosten, die in die Gebühren für die Abfallbeseitigung integriert werden, den Bürgern “nicht zumuten” könne. 

Genaue Zahlen nennt Hubert Zenk, der Geschäftsführer der “Jeder-Tropfen-zählt”-GmbH, nicht. Initiiert worden war das Projekt seinerzeit von der Thalmässinger Altfett-Recyclingfirma Lesch, der damalige Projektleiter Zenk ist mittlerweile Geschäftsführer der eigens gegründeten Firma. Er spricht von jährlichen Kosten von etwa einem Euro brutto pro Bürger. Der Landkreis Roth mit seiner Vorreiterfunktion bezahle diesen Preis aber nicht ganz. Anders als Fürth und Erlangen, die für die Ausweitung Fördergeld beim Bundesumweltministerium beantragt haben – “die ist aber ganz schön tricky” – verzichtet man in Roth darauf. Auch deshalb könnte die langwierige Ausgestaltung des Vertrags in der Heimat Beispielcharakter für andere Kreise und Kommunen haben, hofft Zenk. Auch weil Roth, der sich zwar mit der Entscheidung Zeit gelassen hat, jetzt aber doch der erste Landkreis sei, der das Sammelsystem “komplett auf die Fläche bringt” und somit eine Vorreiterfunktion einnimmt, “haben wir alles herausgekitzelt, was irgendwie ging”. 

Schon als das Pilotprojekt im Winter 2018 gestartet ist, war das erklärte Ziel, über kurz oder lang das ganze Land zu erobern. Alte Speisefette und -öle zum Container zu bringen, sollte so selbstverständlich werden wie die Entsorgung von Altglas. “Jeder Tropfen zählt” hat das Zeug dazu, eine solch bahnbrechende Erfolgsgeschichte zu werden, wie nicht nur die finanzielle Unterstützung der Deutschen Bundesstiftung Umwelt zeigt. Das Unternehmen ist auf dem besten Weg: Denn mit Hausen und Heroldsbach im Landkreis Forchheim stehen laut Zenk schon die nächsten Kommunen in den Startlöchern, im Herbst solle ein Pilotprojekt in Baden-Württemberg – erstmals jenseits der bayerischen Landesgrenzen – starten. 

Populärer Klimaschutzunterstreicht Wichtigkeit

“Das Thema wird wichtiger angesehen als noch vor einem Jahr”, resümiert Zenk. “Es ist keine teure Geschichte”, findet er. Alles hänge von der Einstellung der Politik ab. Trotz dieser politischen Frage “fallen wir unter das Abfallrecht” – das erkläre, warum der Erfolg nicht noch schneller komme, zeigt er sich überzeugt. Denn angesichts der Tatsache, dass aus dem alten Öl vor allem Biosprit werde, sei auch die Verkehrspolitik involviert. Und nicht zuletzt die Klimaschutzpolitik. So lange die Autoflotte auf den Straßen sich nicht grundsätzlich verändere – also mehr Autos mit Elektroantrieb oder anderen alternativen Formen benutzt werden -, “kann der Minister nichts liefern”, so Zenk. Einzig durch ein anderes Mischungsverhältnis im Brit lasse sich die CO2-Bilanz aufpolieren. 1,2 Liter Altspeisefett – das ist das Volumen eines Sammelbehälters – lassen sich nach Firmenangaben im Verlauf des Upcylingprozesses zu einem nachhaltigen Biokraftstoff veredeln, mit dem ein Auto rund 20 Kilometer zurücklegen kann. Dass mit dem Recyceln auch Abflussrohre und Kläranlagen geschont werden, da das alte Öl nicht mehr in den Ausguss gekippt wird, wird somit fast zum Nebeneffekt. 

Welches Mengenpotenzial im Sammelsystem steckt, unterstreichen Zahlen aus dem – bald – Vorreiterlandkreis Roth: Bevor das Thalmässinger Unternehmen die Sammlung in die Hand genommen hat, waren es rund vier Tonnen Altfett gewesen, die die Bürger in den Wertstoffhöfen des Kreises Roth, dem Kreisbauhof in Abenberg oder in verschiedenen Kläranlagen abgegeben haben. 2019/20 registrierte die Firma Lesch allerdings allein in den fünf ILE-Gemeinden rund 15,5 Tonnen, die in den Containern zusammengekommen waren. Hubert Zenks Resümee: “Das Sammelsystem funktioniert und die Haushalte machen mit. “HKVolker Luff