Fürth und Erlangen machen es vor: Großstädte weiten nach Pilotprojekt die Sammlung von alten Speisefetten aus – Landkreis Roth überlegt noch

Bild: Am Rewe-Markt in Thalmässing steht der Rennerunter den 21 Sammelautomaten von “Jeder Tropfen zählt”. Im Schnitt dauert es nur knapp 20 Tage, bis die 196 leeren Sammelbehälter im Automaten komplett getauscht worden sind. Das bedeutet, pro Tag werden etwa zehn Behältnisse abgegeben. 

Wie viel Geld darf das Recyceln von altem Speisefett und -ölen in Privathaushalten den Bürger kosten? Bericht im Donaukurier/Hilpoltsteiner Kurier vom 23.07.2020

Im Wesentlichen um diese Frage hat sich jüngst eine Debatte im Kreisausschuss für Klimaschutz, Umwelt, Wirtschaft und Regionalentwicklung gedreht. Der Landkreis Roth muss sich nämlich demnächst entscheiden, ob er den Pilotversuch “Jeder Tropfen zählt”, der von Ende 2018 bis zum Frühjahr 2020 in den Kommunen der ILE Jura-Rothsee gelaufen ist, für den gesamten Kreis als Teil der Müllentsorgung übernimmt. 

Die auf das Recycling von Altfett spezialisierte Firma Lesch aus Thalmässing hat diesen Pilotversuch mit finanzieller Förderung der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) in den Städten und Gemeinden der ILE – das sind Allersberg. Greding, Heideck, Hilpoltstein und Thalmässing – sowie in Teilen von Fürth und Erlangen durchgeführt. Die beiden Großstädte haben bereits beschlossen, die flächendeckende Sammlung von gebrauchten Altspeisefetten und -ölen weiterzuführen. Im Landkreis Roth gibt es noch keine Entscheidung – wohl aber die Informationen, die Kevin Nißlein, der Sachgebietsleiter für Abfallangelegenheiten, im Ausschuss vorstellte. 

Und da geht es vor allem ums Geld. In zehn Jahren, so die Berechnung der Firma Lesch, kämen Kosten in Höhe von rund 1,2 Millionen Euro auf die Bürger zu. Klingt viel, immerhin 120000 Euro pro Jahr. Enthalten wären darin die Versorgung aller Haushalte im Landkreis mit den kleinen, 1,2 Liter fassenden Sammelbehältern sowie das Aufstellen von bis zu 26 zentralen Sammelautomaten. Zu teuer sei das, befand Kreisrat Reinhard Schmidpeter (AfD) in der Ausschusssitzung, die Mehrkosten seien den Bürgern nicht zuzumuten. 

Es handle sich um etwa 15 Cent Mehrkosten im Monat für eine 80-Liter-Tonne, hält Hubert Zenk dagegen, der zuständige Projektleiter bei der Firma Lesch. “Ich glaube, wenn ich die teilnehmenden Bürger frage, ob es das ihnen wert ist, würden die allermeisten mit Ja antworten. ” Als Wirtschaftsunternehmen könne man die Sammlung nicht einfach kostenfrei bewerkstelligen, doch habe er erst einmal “vorsichtig kalkuliert”. Sprich: Vielleicht ist bei den angesetzten Kosten das letzte Wort noch nicht gesprochen. 

Denn letztlich könne man über viele Dinge noch reden, Details müssten ausgehandelt werden, so Zenk. Beginnend mit der Frage, ob wegen der Sammlung bei solch einem Volumen eine Ausschreibung erfolgen müsse, schließlich investiert die öffentliche Hand. Auch die Frage, ob die Vertragsdauer von zehn Jahren überhaupt rechtens sei, sei noch nicht endgültig geklärt. Diesen Zeitraum habe man angestrebt, um die relativ hohen Investitionskosten über eine vergleichsweise lange Frist wieder hereinzubekommen, erklärt Zenk. Das Pilotprojekt sei zu Ende, sagt er auch. Die anschließenden Prozesse dauerten eben eine Weile. Ziel sei es, einen Mustervertrag aufzusetzen, der solche Fragen rechtssicher beantwortet. “Wir sind da auch noch Lernende”, sagt Zenk, “das geht nicht von heute auf morgen. “

Ebenfalls offen ist die Frage der Verteilung der Sammelbehältnisse. Verschiedene Varianten sind im Pilotversuch ausprobiert worden. Mit eindeutigem Ergebnis: Wenn die Leute die Gefäße – wie in Hilpoltstein – nicht nach Hause geliefert bekommen, dann wirkt sich das entscheidend auf ihre Sammelleidenschaft aus. In Thalmässing etwa haben die Verbraucher fast zweieinhalb Mal so viel gesammelt wie in der Burgstadt, selbst die Großstadt Fürth schnitt noch mehr als doppelt so gut ab – dort haben seinerzeit Mittelschüler die grünen Behälter verteilt. In Hilpoltstein mussten die Menschen ins Rathaus, um ein Gefäß zu bekommen. “Das funktioniert nicht”, bilanziert Zenk. Also überlege man nun, über Ortssprecher oder Zeitungsausträger das erste Gefäß an den Mann und die Frau zu bringen. Je nach Art der Verteilung fallen aber unterschiedliche Kosten an. “Das sind alles Dinge, die noch nicht geklärt sind”, versucht der Projektleiter, Gegnern der Erweiterung im Kreis Roth den Wind aus den Segeln zu nehmen. 

Und er holt das Ass aus dem Ärmel: den Umweltschutz. Aus gebrauchtem Bratfett oder dem Öl von eingelegten Oliven, auch aus verdorbener oder abgelaufener Butter oder Margarine kann nämlich Biokraftstoff hergestellt werden. Auch in der Kosmetikindustrie findet der Stoff Verwendung. 1,2 Liter Altspeisefett – das ist das Volumen eines Sammelbehälters – lassen sich nach Firmenangaben im Verlauf des Upcylingprozesses zu einem nachhaltigen Biokraftstoff veredeln, mit dem ein Auto rund 20 Kilometer zurücklegen kann. 

Die Sammlung ähnlich wie beim Altglas trägt entscheidend dazu bei, die Menschen zu motivieren, ihr altes Fett in den Behälter zu gießen. Im vergangenen Jahr wurden bei den ILE-Gemeinden rund 15,5 Tonnen gesammelt. In den bisherigen Abgabestellen, etwa den Wertstoffhöfen des Kreises Roth, dem Kreisbauhof in Abenberg oder verschiedenen Kläranlagen, wurden dagegen lediglich 4,5 Tonnen abgegeben – obwohl dort weit mehr Menschen leben und das Thema durch das Lesch-Projekt mehr Aufmerksamkeit erfahren hat. Zuvor waren es landkreisweit, also auch mit den ILE-Kommunen, insgesamt rund 4 Tonnen gewesen. “Ich will nicht 4, ich will 80 Tonnen sammeln”, bekräftigt Hubert Zenk, “das ist das große Ziel. ” Es sei ein ehrgeiziges Ziel, die Fett-Sammelmenge innerhalb von fünf Jahren von 30 auf mehr als 650 Gramm pro Kopf zu steigern. Doch nur so werde ein wirklicher Effekt für die Umwelt erzielt – neben der Reduzierung von CO2 führt Zenk auch an, dass Abwassersysteme geschont würden. “Wenn wir es gescheit machen wollen, dann so – oder gar nicht. ” 

Insgesamt sei das System einfach zu gut, um es nicht voranzutreiben, wirbt der Projektleiter für seine Herzenssache. Das sähen auch Leute so, die außerhalb der ILE-Kommunen im Landkreis Roth wohnten. “Ich kriege mit, dass viele Leute bei uns anrufen, weil sie auch die Behälter wollen”, erzählt Zenk. Nicht nur das: Er führe auch Gespräche mit Landkreisen in ganz Bayern, die interessiert seien. Für Zenk sind die Kosten für den Einzelnen nahezu zu vernachlässigen: “Die Frage ist: Will ich es oder nicht? “

HK/Volker Luff

Erfolg auf der ganzen Linie: Pilotprojekt zum Sammeln von Altfetten aus Privathaushalten kommt an – Präsentation in Berlin wegen Pandemie verschoben

Bericht im donaukurier vom 12.05.2020: Mit einem lachenden und einem weinenden Auge blickt Hubert Zenk, Projektleiter beim Thalmässinger Recyclingunternehmen Lesch derzeit auf den Abschluss der Pilotphase der Altfett-Sammelaktion in privaten Haushalten.

Lachen kann er, da “Jeder Tropfen zählt” bislang alle Erwartungen übertroffen hat. Und gute Chancen besitzt, mittelfristig von der Marktgemeinde Bayern und Deutschland zu erobern. Nach Heulen zumute ist ihm jedoch, da der Erfolg nicht ansprechend gefeiert werden kann. Bei der “Woche der Umwelt” wäre die Firma Lesch als Aussteller auf dem Gelände von Schloss Bellevue vertreten gewesen, dem Amtssitz des Bundespräsidenten in Berlin. Abgesagt. Verschoben aufs nächste Jahr. 

Doch auch, dass die Ergebnisse derzeit nicht in großem Rahmen vorgestellt werden können – der bayerische Umweltminister Thorsten Glauber (Freie Wähler) hatte schon zugesagt, nach Thalmässing zu kommen -, kann Zenk letztlich die Laune nicht verhageln. Denn das anvisierte Jahresziel der Sammlung von Altfett in Privathaushalten hat die Erwartungen sogar übertroffen. Rund 60000 Leute aus Teilen von Fürth und Erlangen sowie den Gemeinden der ILE Jura-Rothsee – Allersberg, Greding, Heideck, Hilpoltstein und Thalmässing – haben sich beteiligt. Nach Fürth hat auch der Erlanger Stadtrat für die Ausweitung der Sammlung aufs gesamte Stadtgebiet beschlossen, im Rother Kreistag ist dies Thema. 

Denn das Sammeln und Wiederverwerten von altem Speiseöl und -fett hat gleich mehrere Vorteile. So besteht dadurch nicht mehr die Gefahr, dass diese einfach in den Ausguss gekippt werden. Denn dort setzen die den Rohrleitungen zu: Auf dem Weg ins Kanalsystem erkalten diese anfangs oft flüssigen Fette, vermischen sich noch mit Essenresten und Papier und verklumpen. Wenn sich diese Masse im Kanal erst einmal abgelagert hat, ist es schwierig, sie wieder zu entfernen. 

Zudem sind diese Öle und Fette ein wertvoller Rohstoff. Nach einem Reinigungsverfahren kommen gebrauchte tierische Fette und Pflanzenöle vor allem bei der Herstellung von Biodiesel zum Einsatz, aber auch in der Industrie als Schmierstoffe und bei der Herstellung von Kosmetika finden sie Verwendung. Angesichts der CO2-Bilanz etwa durch die Verwendung als Kraftstoff hat das Thalmässinger Projekt Furore gemacht. Ob die Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD), oder ihre Kollegin Julia Klöckner (CDU), zuständig für die Landwirtschaft : Sie alle kennen laut Projektleiter Zenk das Projekt. Insgesamt seien “alle Bundes- und Landespolitiker begeistert”. Schön. Sehr schön sogar. Jedoch: Die müssen dafür letztlich nicht in die Tasche greifen, die Abfallbeseitigung obliegt nämlich den Kommunen und Landkreisen. Das ist nämlich die Nagelprüfung, so Zenk: “Die Frage ist: Halte ich es für sinnvoll, will ich das? “

Fürth und Erlangen haben diese Frage schon für sich entschieden, die Kosten werden hier in die Abfallgebühren integriert. “Ich bin guter Dinge, dass wir unser System Schritt für Schritt in die Fläche bringen”, sagt Zenk. Ein paar Dinge müssten noch ausgearbeitet werden, vor allem rechtliche Aspekte wie die Frage, ob vor der Installation des Systems eventuell eine Ausschreibung nötig ist. Als nächstes könnte der Landkreis Roth an der Reihe sein. Doch erhalte er auch Anrufe aus weit entfernten Regionen, erzählt der Projektleiter stolz. 

Sein großes Plus ist die Akzeptanz bei den Menschen, die das System und die Behälter kennen, die kein Schmuddelimage verbreiten und leicht zu handhaben sind: Keiner, der schon einmal mitgemacht habe, “will es wieder hergeben”, sagt Zenk. Zudem bekomme man einfach “ein gutes Gefühl”, wenn man Ölreste aus der Fritteuse fachgerecht entsorgt. HKUnterstützung für sein Bauchgefühl – und Reaktionen aus dem Bekanntenkreis – erhält Hubert Zenk aus den Reihen der Wissenschaft: Andreas Kunert hat im Rahmen seines Studiengangs Umweltsicherung an der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf das Pilotprojekt begleitet und seine Bachelorarbeit darüber geschrieben. Er kommt darin zu dem Schluss: “Das Pilotprojekt sollte nicht nur im Hinblick auf die aktuelle Klima- und Umweltschutzdebatte definitiv weiterverfolgt werden. Auch die Bevölkerung in den Einzugsgebieten ist an der Weiterführung sehr interessiert. “

Das Volumen eines Sammelbehälters, das im heimischen Regal steht, beträgt 1,2 Liter. Aus dieser Menge wird im Verlauf des Upcylingprozesses einnachhaltiger Biokraftstoff gewonnen, mit dem ein Auto rund 20 Kilometer zurücklegen kann. Das gesamte Treibhausgas-Minderungspotenzial einer bayernweiten Sammlung liegt laut Zenk bei mehr als 26000 Tonnen CO2 pro Jahr. “Mit dieser Menge würde ein spürbarer Beitrag zur Minderung der Treibhausgase und damit zum Erreichen der Klimaschutzziele der Bundesregierung im Verkehr geleistet. ” Anfragen nicht nur aus Bayern, sondern aus dem gesamten Bundesgebiet stimmen Zenk zuversichtlich, das System in den nächsten Jahren deutlich ausweiten zu können: “Wir sind überzeugt mit unserer Initiative ein bayern- und deutschlandweites Sammelsystem etablieren zu können, um damit einen Beitrag zur nachhaltigen Entwicklung in Deutschland zu leisten. “

Zu guter Letzt könnte das Sammeln der Speiseöle aus Privathaushalten langfristig ein zweites Standbein für das Thalmässinger Recyclingunternehmen werden. Denn derzeit ist es von der Corona-Krise stark betroffen. Die Firma Lesch verdient ihr Geld sehr erfolgreich mit dem Sammeln vor allem in gastronomischen Betrieben, die seit langer Zeit gesetzlich dazu verpflichtet sind, die sogenannten UCO (Used Cooking Oil) zu sammeln und recyceln zu lassen. Doch wenn die Gaststätten allesamt geschlossen sind, fällt diese Einnahmequelle weg. “Ich schätze, wir haben 80 bis 90 Prozent weniger”, erzählt Zenk. Man müsse eine “große Durststrecke überstehen”, die Firma habe Kurzarbeit angemeldet. HK – Volker Luff

Altfettentsorgung: Pilotprojekt verlief äußerst erfolgreich

Bericht aus den Erlanger Nachrichten vom 5.05.2020.

Erlangen. „Jeder Tropfen zählt“ – das soll auch weiterhin so sein. Mehr noch. Der Stadtrat hat jetzt eine flächendeckende Weiterführung der Sammlung von Altspeisefetten und -ölen aus Privathaushalten beschlossen und damit auch eine Ausweitung des Projekts auf das ganze Stadtgebiet. Die Sache ist zweifelsohne ein wichtiger Beitrag zur Schonung der Ressourcen und nicht minder zum Umwelt- und Klimaschutz. Vorerst läuft das Ganze kommunal, später bayernweit und soll schließlich schrittweise außerhalb Bayerns ausgeweitet werden, soweit Besten der Firma Altfettentsorgung und – recycling Lesch GmbH & Co. KG aus Thalmässing im Landkreis Roth.

Die Pilotphase ging Ende März zu Ende. Die Resonanz des Projekts in Erlangen ist bislang „äußerst positiv“, und der Zuspruch der Bürgerinnen und Bürger in den beteiligten Stadtteilen „sehr hoch“, resümiert die Verwaltung. Vor der Pilot-Sammlung hatten die Bürger lediglich die Möchlichgkeit , ihre alten Speisefette und -öle an der Umladestation im Hafen loszuwerden. Das einfache Sammelsystem des Lesch-Projekts bietet dagegen den Haushalten eine relativ einfache und praktikable Lösung, um genutzte Speiseöle und -fette zu entsorgen – ohne dabei irgendwelche Öffnungszeiten beachten oder eine weite Anfahrt zu einem Wertstoffhof auf sich nehmen zu müssen.

Drei Stadtteile ausgewählt

Gesammelt wurde neben der Stadt Erlangen auch im Landkreis Roth und in der Nachbarstadt Fürth. Über 20 Monate lief der Feldversuch. In Erlangen wurden dafür die Stadtteile Röthelheimpark, Röthelheim und die Sebaldussiedlung ausgewählt. Insgesamt waren hier etwa 7700 Haushalte seit November 2018 an der Aktion beteiligt. Sieben Sammelautomaten wurden aufgestellt und spezielle 1,2-Liter-Behälter verteilt – die EN berichteten. Die Sammelmengen, die in den ersten vier Monaten diesen Jahres im gesamten Projektgebiet zusammengekommen sind, liegen rund 45 Prozent über denen des Vorjahres. „In erlagen lag die Steigerung sogar noch höher. Die Sammelmenge konnte in diesem Zeitraum von 1373 kg auf 2100 kg erhöht werden“, teilte die Firma Lesch it. Und das lässt künftig weitere gute Mengen erwarten.

Bei dem Pilotprojekt wurde letztlich eine Sammelmenge von 0,29 kg pro Einwohner/Jahr erreicht. Machen die Erlanger Bürger weiter so gut mit, wird eine Steigerung auf eta 0,65 kg pro Jahr und Einwohner vorausgesagt. Erreicht man dieses Ziel bis 2020, „wäre mit einer Einsparung von jährlich 205 920 kg CO2 zu rechnen“, so die Verwaltung.

Nachhaltiger Biokraftstoff

Natürlich hat das alles auch einen wirtschaftlichen Aspekt: Die Firma Lesch recycelt die alten Fette und Öle und verarbeitet sie großenteils zu Biodiesel. Aus einem dieser 1,2-Liter-Behälter mit Altspeisefett wird im Verlauf des „Upcyclingprozesses“ ein nachhaltiger Biokraftstoff gewonnen, mit dem ein Pkw etwa 20 Kilometer zurücklegen kann.

Zum Abschluss der Pilotphase gab es gute Noten: Die Initiatoren der Pilotsammlung, die von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt gefördert worden ist, stellten in ihrem Abschlussbericht fest: „Die Pilotsammlung war sehr erfolgreich. Das Sammelsystem funktioniert.“ Die Abschlußveranstaltung war für den 30. April geplant, musste aber wegen Corona verschoben werden. Ein neuer Termin steht noch nicht fest.

Rainer Wich

Focus Magazin 05/2020: 77 Initiativen und Ideen für Klima und Umwelt

Will der Mensch die Erderwärmung stoppen, muss er sich beeilen. Das FOCUS Magazin stellt in seiner Ausgabe 05/2020 Menschen und Projekte vor, die dabei helfen können. Mit dabei: Unser Projekt zur Haushaltssammlung von Altspeisefetten.

Zitat:

76. Bio-Diesel aus der Bratpfanne
Altes Fett ist ein wertvoller Rohstoff. Landet es im Ausguss, verstopft es jedoch die Kanalisation. Der fränkische Entsorger Lesch GmbH erprobt ein Konzept zur Sammlung und Nutzung gebrauchter Speiseöle aus Privathaushalten.

Quelle: Focus Online

Direkt zum Beitrag auf Focus Online:
https://www.focus.de/perspektiven/nachhaltigkeit/wissen-77-initiativen-und-ideen-fuer-klima-und-umwelt_id_11587669.html

Fürth: Altfettsammlung wird ausgedehnt

Wie geschmiert läuft die Altölsammlung auf der Hardhöhe. Die vielen Haushalte in der Umgebung und die große Unterstützung – unter anderem durch Soldnerschüler beim Verteilen der Sammelflaschen – haben zum Erfolg beigetragen. Foto: Hans-Joachim Winckler

FÜRTH – 3,7 Tonnen altes Fett und Öl aus Privatküchen haben 8545 Bewohner der Hardhöhe innerhalb eines Jahres zum Recycling für Biodiesel gesammelt.

Die gute Resonanz auf das von der Bundesstiftung Umwelt geförderte Pilotprojekt der Firma Lesch aus Thalmässing ermutigt die Stadt, die Sammlung nach dem Auslaufen der Förderung im März nächsten Jahres auszudehnen.

Die Zahl der Sammelcontainer soll die nach den Worten von Projektentwickler Hubert Zenk von bislang vier auf 20 bis 22 erhöht werden. Gemeinsam mit der städtischen Abfallwirtschaft entwickelt das Recyclingunternehmen jetzt ein Erweiterungskonzept. Vier bis sechs Monate, schätzt Zenk, wird die Vorbereitung dauern.

Weil das Recycling von kleinen Haushaltsmengen im Gegensatz zur Großsammlung in der Gastronomie laut Zenk nicht kostendeckend ist, muss die Kommune nach dem Wegfall der Bundesförderung für die Finanzierung über die Abfallgebühren sorgen. Allerdings werden Abwasserkanäle und Kläranlage von Verunreinigungen durch Fett im Abwasch verschont, die teure Wartungsarbeiten zur Folge haben.

Dass sich die Sammlung als Beitrag zum Umweltschutz lohnt, steht für den Projektentwickler fest. Rund 450 Gramm Altfett sind im ersten Versuchsjahr durchschnittlich pro Kopf des Teilnehmerkreises zusammengekommen. “An Wertstoffhöfen werden pro Anlieferer jährlich nur etwa 60 Gramm abgegeben”, sagt Zenk. Übertrumpft wurde Fürth bislang nur von Thalmässing, wo die Firma Lesch ihren Heimvorteil nutzen konnte und durchschnittlich 500 Gramm Altfett je Projektteilnehmer gesammelt hat.

Am Pilotprojekt beteiligt sind außerdem die Stadt Erlangen sowie die Rother Landkreisgemeinden Heideck, Hiltpoltstein, Allersberg und Greding. Alle zusammen haben seit Ende November 2018 über 19 Tonnen Altfett dem Recycling zugeführt. Im Durchschnitt waren es 350 Gramm pro Teilnehmer.

Möglichkeiten einer Versuchsausweitung werden derzeit auch für Erlangen und den Fürther Landkreis ausgelotet, sagt Zenk. Im Landkreis ist, wie berichtet, bereits Interesse an einer Projektteilnahme laut geworden. Die Förderrichtlinien sahen jedoch nur die Beteiligung eines Landkreises vor.

Fürth wird auf jeden Fall Vorreiter bei der Verstetigung der Altfettsammlung sein. Und die bisherigen Erfahrungen in der Kleeblattstadt haben zudem gezeigt, dass es nicht so sehr auf die Anzahl der Sammelcontainer ankommt, als vielmehr auf die günstige Lauflage und eine möglichst augenfällige Werbung für das Angebot. Während der Container in der Soldnerstraße gut frequentiert war, entwickelte sich die Sammlung am Scherbsgrabenbad nur schleppend.

Die mit Sensoren, Funk und Alarmanlagen ausgestatteten Sammelcontainer melden automatisch den Füllstand und Funktionsstörungen an das Recyclingunternehmen. Dieses setzt dann den Entleer- oder Reparaturservice in Gang. Bislang ist es zu keinen größeren Ausfällen gekommen. Auch Vandalismus ist Fehlanzeige. Wohl aber werden immer wieder fremde Behälter mit altem Speisefett vor Containern abgestellt.

Diese aber nehmen nur spezielle Sammelflaschen aus Kunststoff an, die zuvor an die Teilnehmer des Pilotprojekts verteilt worden sind. Beim Einwurf einer vollen Flasche wird eine leere ausgegeben. 1,2 Liter fassen die mit Schraubverschluss versehenen Sammelflaschen. Neben altem Braten- und Frittierfett kann man hier auch das Öl eingelegter Lebensmittel wie Antipasti einfüllen. Verunreinigungen werden beim Recycling wieder herausgefiltert.

Bewährt hat sich das Projekt auch nach Einschätzung der Stadt Fürth. Es fördere die Kreislaufwirtschaft, indem wertvolle Sekundärrohstoffe wieder in den Produktkreislauf zurückgeführt würden. Ähnliche Sammelsysteme gibt es bereits in anderen Ländern wie Spanien und Österreich, aber auch in Südbayern.

Quelle: Fürther Nachrichten vom 11.12.2019
https://www.nordbayern.de/region/fuerth/altfettsammlung-wird-ausgedehnt-1.9615697

Leuchtturm für den Wirtschaftsstandort

Bild: Die Neubauten der Firma Lesch im Gewerbegebiet beeindrucken die Besucher ebenso wie die innovative Firma selbst. | Foto: CSU Thalmässing

CSU-Ortsverband besichtigt das innovative Recyclingunternehmen Lesch – Informationen über Rohstoff Altfett

Thalmässing (HK) Groß ist das Interesse des CSU-Ortsverbandes Thalmässing beim Besuch des Altfettrecyclingunternehmens Lesch im Gewerbegebiet des Kernorts gewesen.

30 Leute nahmen daran teil. Schließlich gibt es dort einiges zu sehen: Zum einen hat sich das Unternehmen in jüngster Zeit auf einem eigens erschlossenen Areal deutlich vergrößert, zum anderen bestimmt es mit dem Pilotprojekt zum Sammeln von Altspeisefett in Privathaushalten Schlagzeilen in ganz Deutschland.  

In einem beeindruckenden Vortrag zeigte der heutige Firmeninhaber Heiko Lesch den Besuchern auf, wie wertvoll der Rohstoff Altfett ist und wie sich die Firma nach der Gründung durch seinen Vater Willi Lesch rasant entwickelt hat – vom Einzelunternehmer zu einem der größten Arbeitgeber in der Marktgemeinde Thalmässing mit 80 Mitarbeitern. 

Den positiven Eindruck verstärkte Leschs Mitarbeiter Hubert Zenk; der Projektleiter ging ausführlich auf die Aktion “Jeder Tropfen zählt” ein, die derzeit unter anderem in den fünf Kommunen der ILE Jura-Rothsee erfolgreich läuft. Beeindruckt zeigten sich die Besucher auch von den Neubauten, wo man mit nachhaltigen und umweltschonenden Baustoffen sowie den modernen Arbeitsplätzen ein Zeichen gesetzt hat. Auch wurde beim Bau Wert darauf gelegt, mit regionalen Betrieben zusammenzuarbeiten, um auch hier lange Anfahrtswege zu vermeiden. Die Besucher waren sich einig, dass sich die Gemeinde glücklich schätzen dürfe, einen solch innovativen und aufstrebenden Betrieb am Ort zu haben. 

Bericht aus dem Donaukurier/Hilpoltsteiner Kurier vom 09.08.2019. Quelle: https://www.donaukurier.de/lokales/hilpoltstein/Leuchtturm-fuer-den-Wirtschaftsstandort;art596,4281553

Viel Stoff für die kleinen Forscher: Vorschulkinder verfolgen Weg des Altfetts vom Verbraucher in den Autotank

Bericht aus dem Donaukurier vom 31.07.2019, Quelle:
https://www.donaukurier.de/lokales/hilpoltstein/Viel-Stoff-fuer-die-kleinen-Forscher;art596,4271542

Thalmässing (HK) Ganz viele Informationen, die sie für ihr Projekt im Rahmen der Aktion “Haus der kleinen Forscher” brauchen, haben jetzt die Vorschulkinder aus dem Kindergarten Regenbogen gesammelt: Sie waren zu Gast im Altfettrecyclingbetrieb Lesch und fragten dem Chef ein Loch in den Bauch.

Probieren geht über Studieren – diesen Satz haben die kleinen Forscher längst verinnerlicht. Sie versuchten, das Fett mit Spülmittel zu reinigen. Dann war aber nicht nur der Dreck, sondern auch das Fett weg. Beim Reinigungsversuch mit Wasser setzte sich das Fett oben als Film ab. Und wenn man das Öl in der Salatschleuder rotieren lässt, wird es zwar heller, aber nicht sauber. Jeder Versuch warf neue Fragen auf. 

115000 gelbe Behälter, die je 180 Liter fassen, sammelt die Firma Lesch im Jahr ein. Das Fett wiegt so viel wie 3200 Elefanten. Heiko Lesch lüftet das Geheimnis und öffnet einen der Rückgabebehälter für die grünen Dosen. Wie im Alltag Fett gesammelt wird, zeigt er zusammen mit Elisa (Bilder im Uhrzeigersinn). | Foto: Karch
115000 gelbe Behälter, die je 180 Liter fassen, sammelt die Firma Lesch im Jahr ein. Das Fett wiegt so viel wie 3200 Elefanten. Heiko Lesch lüftet das Geheimnis und öffnet einen der Rückgabebehälter für die grünen Dosen. Wie im Alltag Fett gesammelt wird, zeigt er zusammen mit Elisa (Bilder im Uhrzeigersinn). | Foto: Karch

Doch ganz falsch lagen die Kinder mit ihren Versuchen nicht, wie ihnen Heiko Lesch bei ihrem Besuch versichert. “Das, was ihr im Kleinen gemacht habt, machen wir im Großen. ” Weil in den großen Maschinen aber die meisten Vorgänge nicht beobachtet werden können, zeigt Lesch den Kindern mit Alltagsgegenständen, wie aus altem Fett der Grundstoff für wertvollen Biodiesel wird. Das gesammelte Altfett wird erwärmt und durch ein großes Sieb gegossen. Das hält zum Beispiel die Reste von Fleischküchle und Semmelbröseln vom Schnitzel zurück. In einer Zentrifuge – einer großen Salatschleuder oder Waschmaschinentrommel – werden die feineren Reststoffe entfernt. Wenn das Fett ganz sauber ist, wird es von Tanklastzügen geholt und zu Betrieben gebracht, die daraus den Biodiesel herstellen. Fast wie bestellt rollt so ein Lastzug auf den Hof und lässt den Tank mit Fett volllaufen – ganz genau beobachtet von den Vorschulkindern. 

Die wollen auch wissen, woher denn das alte Fett überhaupt kommt. “Das sammeln wir bei Gaststätten ein, zum Beispiel in der Krone und beim Gerberwirt in Thalmässing oder auch bei McDonalds und Burger King. ” Natürlich auch bei der Gastwirtschaft in Eckmannshofen. Denn da waren die Kinder vorher, um an der Kerwa Bratwürste zu essen. Das Fett, in denen die Würste gebraten wurden, wird danach in einen Sammelbehälter geschüttet, der 180 Liter fasst. “Was schätzt ihr, wie viele solcher Tonnen wir im Jahr einsammeln”, will Heiko Lesch wissen. Die Kinder rätseln: 20 Behälter oder doch eine Million? Es sind 115000 Boxen im Jahr, erklärt Lesch. Und er kann den Kindern auch anschaulich machen, was das gesammelte Fett wiegt. Im Hilpoltsteiner Kurier hat er nämlich gelesen, dass beim Schulbustraining das Gewicht eines Busses in der Einheit Elefanten angegeben wurde. Ein Bus wiegt so viel wie vier Elefanten, das im Jahr gesammelte Fett so viel wie 3200 Elefanten. “Das ist megaviel”, staunen die Kinder. 

Foto: Karch
Foto: Karch

Immer wieder fällt der Blick der Kinder auf die großen, grünen Sammelbehälter, deren Geheimnis sie schon seit Monaten lüften wollen. Heiko Lesch hat im wahrsten Sinn des Wortes den Schlüssel dazu. Er sperrt die Behälter auf, in denen die dreieckigen Dosen mit altem Fett zurückgegeben werden können. Sie werden in einer großen Wanne aufgefangen und für jeden gebrauchten Behälter kommt wieder eine frische Dose heraus. 

Die Kinder können auch eine Neuheit bestaunen, die erst vor wenigen Tagen aufgebaut wurde: die Spülmaschine für die gebrauchten Dosen. Die sind nach dem Spülen zwar wieder sauber, riechen aber nicht wirklich frisch, eher nach Plastik – was die Kinder monieren. “Wir haben gerade eben in einer Besprechung festgelegt, dass wir jede Dose mit Duftspray besprühen”, informiert Heiko Lesch und die Kinder nicken zufrieden. 

Dass das Motto dieser Sammelaktion “Jeder Tropfen zählt” heißt, wissen sie. Sie erfahren aber auch, dass Heideck momentan vor Thalmässing liegt, was das Sammelergebnis pro Einwohner betrifft. Und die Gemeinde, die diesen Wettstreit gewinnt, bekommt eine Tischtennisplatte geschenkt. Also: Jeder Tropfen zählt. 

Bericht: Andrea Karch

DBU-Jahresbericht: „Altfette wiederverwerten: Jeder Tropfen zählt“

Auch der Jahresbericht der Deutsche Bundesstiftung Umwelt widmet uns eine ganze Seite im Artikel „Altfette wiederverwerten: Jeder Tropfen zählt“ (Seite 26). Danke für die Förderung unseres Projekts zur Haushaltssammlung von Altspeisefetten!

„In puncto Altfettsammlung und -recycling ist die Lesch GmbH & Co. KG aus Thalmässing in Mittelfranken alles andere als eine Unbekannte. Schon seit 1992 betreibt die Firma eine Recyclinganlage, in der Altspeisefette aus Gastronomie und Lebensmittelindustrie gereinigt werden, um von der Treibstoffindustrie für die Biodieselherstellung weiterverarbeitet werden zu können. Sein Know-how dehnt der Mittelständler im Zuge eines Pilotprojekts nun auch auf Privathaushalte aus. Unter dem Titel »Verwendung statt Verschwendung – Sammlung und Nutzung von gebrauchtem Speiseöl aus Privathaushalten« werden ausgewählte Stadtteile von Erlangen und Fürth sowie Teile des Landkreises Roth an der Aktion mitwirken. Hubert Zenk, Projektleiter des Thalmässinger Recyclingunternehmens, sieht nur Gewinner an diesem Vorhaben: Fette und Öle, die nicht gesammelt, sondern in den Ausguss geschüttet werden, verstopfen die Kanalisation und bereiten auch in den kommunalen Kläranlagen Probleme. Altfett ist zudem ein wertvoller Sekundärrohstoff für die Biodieselherstellung und verbessert dessen CO2-Bilanz. Letztlich soll das von der Firma entwickelte und im Projekt praktisch erprobte Konzept die Grundlage für eine bundesweite Verbreitung der Altfettsammlung schaffen. In Deutschland fallen nach Schätzungen jährlich rund 100 000 Tonnen Altspeiseöle und -fette in Privataushalten an, die es wiederzuverwerten gilt: Für das mittelfränkische Unternehmen in Kooperation mit dem Mittelstandsverband abfallbasierter Kraftstoffe (MVaK) ist das mutmaßlich die solide Basis für ein umweltentlastendes Geschäft. „

DBU-AZ: 34352 

Projektträger: Altfettentsorgung und -recycling Lesch GmbH & Co. KG, Thalmässing 

Projektzeitraum: November 2018 bis März 2020 

In einem Satz: Altspeisefette und -öle aus Privathaushalten werden eingesammelt, um für die Biodieselherstellung recycelt zu werden. 

Den Jahresbericht der Deutschen Bundesstiftung Umwelt können Sie hier auf der Seite der DBU herunterladen: https://www.dbu.de/doiLanding1562.html

Thalmässing und Heideck ringen um Spitzenplatz

“Das Sammelsystem funktioniert”: Altfett-Recyclingfirma Lesch zieht zufrieden Zwischenbilanz über Pilotprojekt

Quelle: Donaukurier vom 05.07.2019, Author: Volker Luff,
https://www.donaukurier.de/lokales/hilpoltstein/Thalmaessing-und-Heideck-ringen-um-Spitzenplatz

Thalmässing/Hilpoltstein (HK) Auf nicht ganz eineinhalb Jahre ist der Pilotversuch angelegt, den die Thalmässinger Recyclingfirma Lesch in den fünf Kommunen der ILE Jura-Rothsee sowie in Teilen von Fürth und Erlangen durchführt – jetzt ist Halbzeit für die Sammlung von Altfetten und -ölen in Privathaushalten unter dem Motto “Jeder Tropfen zählt”.

Der Projektleiter Hubert Zenk zieht nach den ersten Erfahrungen erfreut Zwischenbilanz. “Für uns steht bereits heute fest: Es besteht großes Sammlungspotenzial, wenn man umweltbewussten Haushalten in Deutschland ein modernes Sammelsystem anbietet. “

Insgesamt sind laut Zenk bereits mehr als neun Tonnen gebrauchte Speiseöle in den Pilotkommunen gesammelt worden. Mit dieser Menge könnte ein Auto vier Mal um die Erde fahren – mit um 90 Prozent geringeren CO2-Emissionen. Das bisherige Ergebnis lasse erwarten, dass die für den Pilotzeitraum gesteckten Zielmengen sehr wahrscheinlich übertroffen werden, so Zenk.

Der Blick aufs Detail verrät aber noch viel mehr. Zum Beispiel, dass die Menschen umso fleißiger sammeln, je ländlicher ihr Wohnort ist. Erlangen beispielsweise schneidet so schlecht ab, dass man dort laut der Firma Lesch nicht unbedingt sieben Sammelautomaten benötigen würde. Dennoch sind hier bislang immerhin rund 1,8 Tonnen zusammengekommen. Deutlich besser läuft es in Fürth mit einer Altfettmenge von vor-aussichtlich 400 Gramm pro Person und Jahr. Das Ziel waren ursprünglich lediglich 350 Gramm. In der Kleeblattstadt habe eine umfangreiche Plakataktion fürs Sammeln geworben, sagt Zenk. Zudem habe die Verteilung der grünen Behälter durch Mittelschüler große Aufmerksamkeit erzeugt.

Dass das leichte Erhalten der Behälter die Sammelmenge stark beeinflusst, lässt sich an Hilpoltstein beobachten: Hier mussten und müssen die Menschen ihre erste Dose in der Stadtverwaltung abholen, danach erhalten sie wie in allen anderen Orten Ersatz am Sammelautomaten – eine saubere, leere für eine volle. In den anderen vier ILE-Kommunen wurden die Behälter anfangs verteilt. Bisher seien in Hilpoltstein schon über 2600 Behälter von Bürgern abgeholt worden, so Zenk, wohl rund ein Drittel der Haushalte beteilige sich somit an der Sammelaktion. Es lasse sich deshalb eine zeitliche Verschiebung beobachten, “wir erwarten in der zweiten Jahreshälfte und den Folgejahren größere Sammelmengen als bisher”. Die gesammelte Menge pro Haushalt, der mitmacht, liege auf dem Niveau der anderen ILE-Kommunen.

Diese liegen allesamt jenseits der angestrebten 350 Gramm. pro Einwohner und Jahr. Sammel-Spitzenreiter sind bisher die Stadt Heideck und der Markt Thalmässing mit hochgerechneten Jahresmengen von mehr als einem halben Kilogramm pro Einwohner. Ginge es exakt so weiter wie bisher, würde sich nach einem ganzen Jahr Heideck die Krone aufsetzen – mit 580 Gramm, knapp vor Thalmässing (564 Gramm), danach folgten Greding (470 Gramm) und Allersberg (376 Gramm). Hilpoltstein läge zwar mit 162 Gramm abgeschlagen auf dem letzten Platz – noch weit hinter Fürth (429 Gramm) und Erlangen (304 Gramm) -, würde mit seiner anderen Verteilung der Behälter aber wichtige Hinweise für das Pilotprojekt liefern.

Dort, wo die kleinen, grünen Sammelbehälter verteilt worden sind, rechnet Hubert Zenk bei vorsichtiger Schätzung mit einem durchschnittlichen Ergebnis von 420 Gramm am Ende eines Jahres pro Bürger. Etwas optimistischer gerechnet, könnten es sogar 480 Gramm sein. Der Unterschied klingt marginal, gerade einmal 60 Gramm. Er gewinnt aber an Bedeutung, wenn man die bisherige Sammelmenge betrachtet – denn schon vor dem Feldversuch konnten die Bürger im Kreis Roth ihr Altfett an den Recyclinghöfen abgeben. Außerhalb der ILE-Gemeinden tun sie das – im Idealfall – noch heute. Die auf diese Weise gesammelte Menge hat laut Landratsamt im Jahr 2017 rund 30 Gramm pro Bürger betragen.

Bayernweit lag das Ergebnis an den Wertstoffhöfen laut Zenk im Jahr 2013 bei 60 Gramm. Mit ein paar Verbesserungen ist es nicht unwahrscheinlich, dass im Pilotgebiet das Zehnfache erreicht wird. Wie Zenk stolz verkündet: “Das Sammelsystem funktioniert.”

Aus gebrauchtem Bratfett oder dem Öl von eingelegten Oliven, auch aus verdorbener oder abgelaufener Butter oder Margarine kann Biokraftstoff hergestellt werden. Während gastronomische Betriebe und die Industrie bereits verpflichtet sind, diese Speisefette – der Fachbegriff lautet UCO (Used Cooking Oil) – zu sammeln und recyceln zu lassen, wird das aus Privathaushalten stammende Material in der Regel nicht verwertet. Das zu ändern, ist das Ziel der Recyclingfirma Lesch, die deshalb ein Pilotprojekt angestoßen hat. Ist es erfolgreich, soll das Sammeln mittel- und langfristig auf Bayern oder gar bundesweit ausgedehnt werden.

In das bayerische – vielmehr mittelfränkische – Pilotprojekt sind mehr als 60000 Bürger in etwa 27000 Haushalten integriert. An 20 Sammelautomaten können die rund 30000 ausgegebenen Sammelbehälter gefüllt abgegeben und gegen leere Behälter getauscht werden. Finanziell gefördert wird das Projekt von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU). Projektpartner ist der Mittelstandsverband abfallbasierter Kraftstoffe (MVaK).

Am Ende muss sich das Ganze natürlich auch für den Anbieter rechnen, der Umweltschutzgedanke reicht nicht aus. Es sei denkbar, Sponsoren zu finden, heißt es bei der Firma Lesch, die sich nicht nur ums Recycling kümmert, sondern auch um die gesamte Logistik. Beispielsweise sorgt sie dafür, dass die Sammelcontainer geleert werden und saubere Behälter zur Verfügung stehen. Doch gibt es an den Automaten auch immer wieder Probleme, teilweise werden sie trotz Beschreibung falsch bedient oder verstopft. Das verursacht Kosten. Eine erste Erkenntnis des Pilotprojekts ist, dass eine Zeichen- und Bildsprache entwickelt werden soll. Erste Aussagen zur Wirtschaftlichkeit des Projekts sollen im Herbst 2019 vorliegen, um eine Entscheidungsgrundlage zur möglichen Ausweitung der Sammlung zu schaffen.

Altfettrecycling in Erlangen kommt gut an

Quelle: Rainer Wich, Erlanger Nachrichten vom 02.07.2019, https://www.nordbayern.de/region/erlangen/altfettrecycling-in-erlangen-kommt-gut-an-1.9059815

Sieben Sammel-Automaten sind im Stadtgebiet verteilt

Unter dem Motto “Jeder Tropfen zählt” werden seit einem halben Jahr in Erlangen gebrauchte Speiseöle gesammelt, um diese anschließend zu Biodiesel zu verarbeiten. Zeit für eine erste Bilanz.

Das Projekt läuft noch bis März 2020. Zeit für eine erste Halbzeitbilanz. Und die fällt durchaus erfreulich aus. “Für uns steht bereits heute fest: Es besteht großes Sammlungspotenzial, wenn man umweltbewussten Haushalten in Deutschland ein modernes Sammelsystem anbietet”, so Hubert Zenk, Projektleiter der Firma Lesch Altfettrecycling GmbH & Co. aus Thalmässing.

“Jeder Tropfen zählt” — mit diesem griffigen Slogan wirbt die Firma für ihre Idee. Es geht schlicht und einfach darum, gebrauchte Speiseöle aus Privathaushalten einzusammeln – das Fett aus der Fritteuse ebenso wie das alte Bratenfett aus der Pfanne oder das Öl aus der Sardinendose.

Neben Erlangen und Fürth sind die Kommunen Allersberg, Heideck, Hilpoltstein, Greding und Thalmässig mit von der Partie. Bisher wurden insgesamt schon über 9 000 Kilogramm gebrauchter Speiseöle in jenen Pilotgemeinden gesammelt. Mit dieser Menge könnte ein Pkw locker viermal um die Erde kurven mit 90 Prozent geringeren CO2-Emissionen.

Sieben Sammel-Automaten wurden im November 2018 in Erlangen aufgestellt. Dort kann man die speziellen Sammelbehälter abgeben und einen leeren gleich wieder mitnehmen. Am häufigsten frequentiert wurde der Automat an der Theodor-Heuss-Anlage. Dort kamen bisher insgesamt 470 Kilogramm zusammen (Fürth, Soldnerstraße: 1234 Kilogramm). Lediglich 160 Kilogramm kamen beim Schlusslicht in der Schenkstraße zusammen.

Apropos “Schlusslicht”: Obschon von der Vorstellung ausgegangen werden konnte, dass in der Hugenottenstadt ein wohl etwas höher entwickeltes Umweltbewusstsein greift, liegen die Sammelmengen doch deutlich unter denen der anderen Kommunen. Grund genug für die Firma Lesch darüber nachzudenken, woran es gelegen haben könnte. Vielleicht fallen dieserorts schlicht geringere Mengen von gebrauchten Speiseölen und Fetten in den Haushalten an? Oder Heimbewohner in den Pilotbezirken haben keine Behälter erhalten. Oder es haperte gar an den etwas schwierigeren Kommunikationswegen im Vergleich zu den eher ländlichen Gegenden. Wie auch immer. In Erlangen waren die gelben Sammelflaschen durchschnittlich mit 0,75 Kilo gefüllt. Anderswo erreichten die Füllstände im Schnitt über 0,8 Kilogramm.

“Fettberge” im Untergrund

Generell ist zu sagen: Die Qualität der abgegebenen Öle und Fette ist “außerordentlich gut”, teilte Hubert Zenk mit. Auch die Akzeptanz der Automaten in der Bevölkerung sei durchaus hoch. Dennoch gibt es einige Wermutstropfen. Denn die Automaten wurden teils falsch bedient und somit verstopft – trotz Beschreibung. Jetzt wird die Firma eine Zeichen- und Bildsprache kreieren, um die nötigen Informationen künftig auch “sprachenunabhängig” zu vermitteln.

Aber das wird nicht alles sein. Für die restliche Laufzeit des Pilotprojekts hat sich die Firma Lesch noch einige Arbeitsschwerpunkte gesetzt – unter anderem aus dem eingeführten Sammelsystem zu lernen, in der Bevölkerung und bei politisch Verantwortlichen noch ein bisschen mehr an Bewusstsein zu schaffen für die Problematik falsch entsorgter Speiseöle. Denn gebrauchte Speiseöle werden bekanntlich von privaten Haushalten meist per Abwasch über die Kanalisation entsorgt und führen dort zu Verschmutzungen und Blockaden. Zuweilen bilden sich im Untergrund auch richtige “Fettberge”, die nur mit reichlich Aufwand und Kosten entfernt werden können. Überdies wird die Firma noch weitere Kontakte aufbauen zu möglichen Projektpartnern – nicht zuletzt aus der Wirtschaft.

“Wir können auf Basis der bisherigen Erfahrungen und Sammelergebnisse jetzt schon resümieren, dass ein großes Sammlungspotenzial besteht, wenn wir es schaffen, die Bevölkerung für die Sammlung zu begeistern”, so Hubert Zenk.

Das Projekt wird von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt gefördert. Ziel ist es, ein Sammelsystem zu entwickeln, das deutschlandweit umgesetzt werden kann. 

Titelbild: Der erste Altfett-Automat ging an der Theodor-Heuss-Anlage in Betrieb.© Klaus-Dieter Schreiter