Bundesumweltministerium fördert in Erlangen und Fürth die Sammlung von Altspeiseöl für die Biokraftstoff-Produktion

Florian Pronold übergibt Förderscheck über fast 800.000 Euro an die Oberbürgermeister der Städte Fürth und Erlangen

Der Aufbau eines Sammelsystems von Altspeiseölen und -fetten aus Privathaushalten wird mit fast 800.000 Euro aus der Nationalen Klimaschutzinitiative (NKI) des Bundesumweltministeriums (BMU) gefördert.

Im Rahmen des Projektes werden in Fürth und Erlangen je 16 Sammelautomaten, verteilt über das ganze Stadtgebiet, aufgestellt. Die Bürgerinnen und Bürger können volle Sammelflaschen am Sammelautomat abgeben und erhalten im Gegenzug eine leere Sammelflasche. Das gesammelte Altspeiseöl wird aufbereitet und dient als nachhaltiger Rohstoff zur Herstellung von Biodiesel und ersetzt somit mineralischen Diesel. Heute übergibt Florian Pronold, Parlamentarischer Staatssekretär im BMU, den symbolischen Förderscheck über 770.854 Euro für dieses kommunale Klimaschutz-Modellprojekt an die Städte Fürth und Erlangen.

Florian Pronold: “In Fürth und Erlangen fördern wir den modellhaften Aufbau eines nachhaltigen und rohstoffeffizienten Sammelsystems. Das Projekt zeigt, wie die zukünftigen Herausforderungen an die kommunale Abfallwirtschaft mit den Zielen des Klimaschutzes verbunden werden können.”

Eine effektive Sammlungsmethode und -struktur von Speiseölen und -fetten fehlt bislang. Da es dafür keine Trennpflicht für Privathaushalte gibt, werden diese Öle und Fette oftmals über das Abwassersystem in die Kanalisation entsorgt. Das verursacht viele Probleme, von der Verstopfung der häuslichen Abflussleitungen bis hin zu Ablagerungen in Kanälen und Schächten. Mit der Aufstellung von Sammelbehältern begegnen Erlangen und Fürth diesen Problemen und bieten eine umweltschonende und geldsparende Alternative. Dieses innovative Modellprojekt kann zum Vorbild für viele deutsche Kommunen werden. In Deutschland könnten damit rund 50.000 Tonnen gebrauchtes Speiseöl pro Jahr von Haushalten gesammelt und damit bundesweit Kosten von bis zu 35 Millionen Euro pro Jahr eingespart werden. Mit dem aufbereiteten Speiseöl könnten große Mengen nachhaltiger Biodiesel hergestellt und damit klimaschädlicher mineralischer Diesel ersetzt werden.

Das Modellprojekt wird in den kommenden drei Jahren vom BMU mit einer Zuwendung von rund 800.000 Euro gefördert.

Das BMU unterstützt und initiiert über die NKI mit dem Förderaufruf für investive kommunale Klimaschutz-Modellprojekte wegweisende Investitionsvorhaben im kommunalen Umfeld, die durch ihre direkten Treibhausgasminderungen einen wesentlichen Beitrag zur schrittweisen Erreichung der Treibhausgasneutralität von Kommunen leisten. Seit 2016 hat das BMU im Rahmen des Förderaufrufes bundesweit rund 50 Klimaschutz-Modellprojekte bewilligt. Zusammen entspricht das einem Fördervolumen in Höhe von rund 135 Millionen Euro.

Aktuell können kommunale Antragstellerinnen und Antragsteller Projektskizzen vom 1. September bis zum 31. Oktober einreichen und dabei von verbesserten Förderbedingungen profitieren. Die besten Projekte werden in einem wettbewerblichen Verfahren ausgewählt und zur Antragstellung aufgefordert.

Quelle: https://www.bmu.de/pressemitteilung/bundesumweltministerium-foerdert-in-erlangen-und-fuerth-die-sammlung-von-altspeiseoel-fuer-die-biokraftstoff-produktion

Altspeisefett wird Biodiesel – Aus der Fritteuse ins Auto: Jeder Tropfen zählt

Quelle: Lena Wölki, NN, https://www.nordbayern.de/region/erlangen/aus-der-fritteuse-ins-auto-jeder-tropfen-zahlt-1.11230284

ERLANGEN – Recyceln statt wegschütten: “Jeder Tropfen zählt” sammelt Speisefett aus den Haushalten verschiedener Gemeinden und verarbeitet es zu Kraftstoff. 

Es sind kleine grüne Flaschen, die etwas Großes bewirken sollen. Sie gehören zu der GmbH “Jeder Tropfen zählt!”, die sich zum Ziel gesetzt hat, aus Altspeisefett Biodiesel zu generieren. Und dabei nicht nur die Abwasserrohre vor dem Verstopfen zu schützen, Säuberungskosten der Kläranlagen zu verringern, sondern auch Ressourcen zu schonen.

Altfettrecycling in Erlangen kommt gut an

“Wir haben hier eine Öl-Quelle, die einfach verschenkt wird”, sagt der Geschäftsführer Hubert Zenk. Bisher würden, laut Zenk, in Bayern etwa 80 Gramm Altspeisefett pro Person im Jahr gesammelt. “Wir gehen jedoch davon aus, dass im Schnitt jeder etwa 1,3 Kilogramm zu verwerten hätte”, sagt der Geschäftsführer. Er erklärt weiter: “Unser Ziel ist es, nach fünf Jahren mindestens 700 Gramm pro Bürger einzusammeln.”

Mehrere Orte dabei

Im Landkreis Erlangen-Höchstadt gibt es gleich mehrere Orte, die Teil der Aktion sind. Dazu gehören schon seit längerem die Stadt Erlangen, die schon dabei war, als es die Aktion als Pilotprojekt gab. Neu dazu gekommen ist seit Mai Baiersdorf und nun soll “Jeder Tropfen zählt!” auch in Bubenreuth angeboten werden.

Wie funktioniert das System?

Im Vorfeld wurden die grünen Sammelflaschen an alle Haushalte in den entsprechenden Gemeinden ausgeliefert. Das übernahmen unter anderem Schüler, Freiwillige Feuerwehren, oder, wie im Fall von Bubenreuth, Ferienarbeiter.

Keine Auto-Schmieröle

In diesen Behältern kann dann gebrauchtes Frittier- und Bratfett-Öl, Öl von eingelegten Speisen (Sardinen, Schafskäse, Peperoni usw.), Margarine, verdorbene und abgelaufene Speiseöle und -fette gesammelt werden. Nicht abgegeben werden dürfen dagegen Mineral-, Motor- und Schmieröle, andere Flüssigkeiten und Chemikalien, Mayonnaisen, Saucen und Dressings, Speisereste und sonstige Abfälle.

Von der Fritteuse zum Auto

Wenn der Behälter voll ist, kann er bei den entsprechenden Automaten abgeben werden. Die stehen unter anderem auf Supermarktparkplätzen: “Wir versuchen es, den Menschen so einfach wie möglich zu machen, und die Abgabe nicht etwa an die Öffnungszeiten von Wertstoffhöfe zu koppeln”, sagt Zenk.

Bestandteile getrennt

Bei den Automaten erhält man für einen vollen Behälter eine leere. frische Flasche zurück. Dann startet der Recyclingprozess, der aus dem Altspeisefett Biodiesel macht. Dabei werden die Öle zunächst erhitzt und im Anschluss die Bestandteile voneinander getrennt. Es bleiben Speiseöl, Feststoffe und Wasser.

Kommunen steuern etwas bei

Um aus diesem Fett Treibstoff zu machen, muss es dann aber noch weiter verarbeitet werden. Der Verkauf dieses Rohstoffs soll die Kosten des Recyclingprozesses zu einem Teil mitfinanzieren. Ganz klappt das jedoch nicht, weshalb die Kommunen noch etwas dazu steuern müssen. Das gesamte System kostet etwa 85 Cent pro Bürger im Jahr.

Probezeit erfolgreich beendet

“Jeder Tropfen zählt!”, das zunächst als Pilotprojekt in Fürth, Erlangen und im Landkreis Roth an den Start ging, hat die Probezeit im vergangenen Jahr erfolgreich beendet. Nun soll das System in die verschiedenen Gemeinden und Kommunen verteilt werden. Bisher, so schätzt Hubert Zenk, konnten bereits etwa 70 000 Kilo Altspeisefett gesammelt und zu circa 65 000 Liter Biodiesel verarbeitet werden. Und das alles mit der Hilfe von kleinen, grünen Flaschen.