Altfett-Sammlung in Privathaushalten weitet sich auf ganzen Landkreis aus

Quelle: Volker Luff, Hilpoltsteiner Kurier vom 27.07.2021: https://www.donaukurier.de/lokales/hilpoltstein/Altfett-Sammlung-in-Privathaushalten-weitet-sich-auf-ganzen-Landkreis-aus;art596,4798398

Es ist abzusehen gewesen – und doch hat es relativ lange gedauert, bis im Landkreis Roth nun Nägel mit Köpfen gemacht worden sind: Die Sammlung von gebrauchten Altspeisefetten und -ölen aus Privathaushalten, die im Süden des Landkreises schon seit Ende 2018 üblich ist, wird auf den gesamten Kreis ausgedehnt.

Im Herbst soll dafür der Startschuss gegeben werden. Bislang ist “Jeder Tropfen zählt” hier nur in den fünf Kommunen der ILE Jura-Rothsee bekannt, also in Allersberg, Greding, Heideck, Hilpoltstein und Thalmässing. 

Außerdem natürlich in Fürth und Erlangen: Teile der beiden Städte waren ebenfalls beim Pilotprojekt vor knapp drei Jahren dabei, dort war längst entschieden worden, die dezentrale Sammlung von Altspeisefetten und -ölen aus Privathaushalten in den markanten grünen Sammelautomaten, auf das jeweilige gesamte Stadtgebiet auszudehnen. In Erlangen ist Baiersdorf längst dabei, Bubenreuth folgt derzeit. Mit Berching und Freystadt sind – ganz frisch dabei (siehe Seite 24) – diese Automaten auch im Landkreis Neumarkt zu finden. 

Erregte Diskussionenum den Preis des Sammelns

In Roth aber hatte es im Kreisausschuss für Klimaschutz, Umwelt, Wirtschaft und Regionalentwicklung vor einem Jahr auch kritische Stimmen gegeben: Reinhard Schmidpeter von der AfD beispielsweise hatte davon gesprochen, dass man die Mehrkosten, die in die Gebühren für die Abfallbeseitigung integriert werden, den Bürgern “nicht zumuten” könne. 

Genaue Zahlen nennt Hubert Zenk, der Geschäftsführer der “Jeder-Tropfen-zählt”-GmbH, nicht. Initiiert worden war das Projekt seinerzeit von der Thalmässinger Altfett-Recyclingfirma Lesch, der damalige Projektleiter Zenk ist mittlerweile Geschäftsführer der eigens gegründeten Firma. Er spricht von jährlichen Kosten von etwa einem Euro brutto pro Bürger. Der Landkreis Roth mit seiner Vorreiterfunktion bezahle diesen Preis aber nicht ganz. Anders als Fürth und Erlangen, die für die Ausweitung Fördergeld beim Bundesumweltministerium beantragt haben – “die ist aber ganz schön tricky” – verzichtet man in Roth darauf. Auch deshalb könnte die langwierige Ausgestaltung des Vertrags in der Heimat Beispielcharakter für andere Kreise und Kommunen haben, hofft Zenk. Auch weil Roth, der sich zwar mit der Entscheidung Zeit gelassen hat, jetzt aber doch der erste Landkreis sei, der das Sammelsystem “komplett auf die Fläche bringt” und somit eine Vorreiterfunktion einnimmt, “haben wir alles herausgekitzelt, was irgendwie ging”. 

Schon als das Pilotprojekt im Winter 2018 gestartet ist, war das erklärte Ziel, über kurz oder lang das ganze Land zu erobern. Alte Speisefette und -öle zum Container zu bringen, sollte so selbstverständlich werden wie die Entsorgung von Altglas. “Jeder Tropfen zählt” hat das Zeug dazu, eine solch bahnbrechende Erfolgsgeschichte zu werden, wie nicht nur die finanzielle Unterstützung der Deutschen Bundesstiftung Umwelt zeigt. Das Unternehmen ist auf dem besten Weg: Denn mit Hausen und Heroldsbach im Landkreis Forchheim stehen laut Zenk schon die nächsten Kommunen in den Startlöchern, im Herbst solle ein Pilotprojekt in Baden-Württemberg – erstmals jenseits der bayerischen Landesgrenzen – starten. 

Populärer Klimaschutzunterstreicht Wichtigkeit

“Das Thema wird wichtiger angesehen als noch vor einem Jahr”, resümiert Zenk. “Es ist keine teure Geschichte”, findet er. Alles hänge von der Einstellung der Politik ab. Trotz dieser politischen Frage “fallen wir unter das Abfallrecht” – das erkläre, warum der Erfolg nicht noch schneller komme, zeigt er sich überzeugt. Denn angesichts der Tatsache, dass aus dem alten Öl vor allem Biosprit werde, sei auch die Verkehrspolitik involviert. Und nicht zuletzt die Klimaschutzpolitik. So lange die Autoflotte auf den Straßen sich nicht grundsätzlich verändere – also mehr Autos mit Elektroantrieb oder anderen alternativen Formen benutzt werden -, “kann der Minister nichts liefern”, so Zenk. Einzig durch ein anderes Mischungsverhältnis im Brit lasse sich die CO2-Bilanz aufpolieren. 1,2 Liter Altspeisefett – das ist das Volumen eines Sammelbehälters – lassen sich nach Firmenangaben im Verlauf des Upcylingprozesses zu einem nachhaltigen Biokraftstoff veredeln, mit dem ein Auto rund 20 Kilometer zurücklegen kann. Dass mit dem Recyceln auch Abflussrohre und Kläranlagen geschont werden, da das alte Öl nicht mehr in den Ausguss gekippt wird, wird somit fast zum Nebeneffekt. 

Welches Mengenpotenzial im Sammelsystem steckt, unterstreichen Zahlen aus dem – bald – Vorreiterlandkreis Roth: Bevor das Thalmässinger Unternehmen die Sammlung in die Hand genommen hat, waren es rund vier Tonnen Altfett gewesen, die die Bürger in den Wertstoffhöfen des Kreises Roth, dem Kreisbauhof in Abenberg oder in verschiedenen Kläranlagen abgegeben haben. 2019/20 registrierte die Firma Lesch allerdings allein in den fünf ILE-Gemeinden rund 15,5 Tonnen, die in den Containern zusammengekommen waren. Hubert Zenks Resümee: “Das Sammelsystem funktioniert und die Haushalte machen mit. “HKVolker Luff

Hilpoltsteiner Kurier: Landkreis lässt sich Zeit bei Vorbildprojekt – “Jeder Tropfen zählt”: In Roth gibt es noch keinen Beschluss über Ausweitung des Fettsammelns

Bild: Das Dreieckige mit rundem Deckelmuss ins Viereckige: In den fünf hiesigen ILE-Gemeinden ist der Fett-Sammelbehälter samt Container bereits bekannt. Im Rest des Landkreises Roth aber lässt die Recyclingmöglichkeit noch auf sich warten. | Foto: Luff

Quelle: Hilpoltsteiner Kurier vom 09.04.2021, https://www.donaukurier.de/lokales/hilpoltstein/Landkreis-laesst-sich-Zeit-bei-Vorbildprojekt

Thalmässing – Erst waren es drei Stadtteile von Erlangen, einer in Fürth und nicht zuletzt natürlich die fünf Kommunen der ILE Jura-Rothsee: Allersberg, Greding, Heideck, Hilpoltstein und Thalmässing. Seit November 2018 können überall dort die Verbraucher ihr altes Speisefett und Speiseöle in kleine, grüne Behälter geben und – wenn diese voll sind – gegen leere Exemplare an Containern eintauschen. Ein Sammelsystem ähnlich dem Altglas hat die Thalmässinger Recyclingfirma Lesch installiert. Den Vorbildcharakter unterstrich die Deutsche Bundesstiftung Umwelt mit ihrer Förderung. Von Beginn an war geplant, das anfängliche Pilotprojekt möglichst auszuweiten und im Idealfall die flächendeckende Sammlung zu etablieren. 

Das geschieht auch peu à peu. So wird die Stadt Baiersdorf im Landkreis Erlangen-Höchstadt ab Mai an dem Projekt “Jeder Tropfen zählt” teilnehmen, wie Hubert Zenk, der zuständige Projektleiter der Firma Lesch vermeldet. Die Städte Erlangen und Fürth haben eine Ausweitung der Sammlung auf die gesamten Stadtgebiete beschlossen. Die Einführung der Sammelaktion in Baiersdorf sei ein neuerliches Pilotprojekt, sagt Zenk, angelegt auf zwei Jahre. Gewöhnlich sei die Abfallwirtschaft nämlich beim Landkreis angesiedelt, wenn es sich nicht um eine große, kreisfreie Stadt handelt. In dieser gut 8000 Einwohner zählenden Kommune in der Mitte von Nürnberg und Bamberg ist das anders. Und genau das erfordert in der Vertragsgestaltung Besonderheiten. Zenk zufolge hätten auch andere Kommunen Interesse bereits angemeldet. 

Wer in dem Reigen der festen Vertragspartner noch fehlt, ist mit dem Landkreis Roth ausgerechnet der Kreis, aus dem die Idee des Fettsammelns stammt. Geredet wird zwar schon seit fast einem Jahr darüber, die Sammlung auf das gesamte Kreisgebiet auszuweiten, etwas Handfestes geschehen ist aber nicht. Er sei optimistisch, dass es in Roth weitergehe, sagt Zenk. Man arbeite bereits an einem Vertragsentwurf. Allerdings gebe es keinen entsprechenden Beschluss des Kreistags, das mache die Situation “schwierig”. 

Der Projektleiter zeigt Verständnis: “Corona beherrscht derzeit viel”, sagt Hubert Zenk. Eine freiwillige Leistung wie das Sammeln von Fetten und Speiseölen sei da nicht unbedingt ganz vorne auf der Prioritätenliste zu finden. “So etwas ist gewünscht”, sagt Zenk über die politische Großwetterlage im Land. Nicht umsonst sitze die Deutsche Bundesstiftung Umwelt mit im Boot. 

Das Konzept besticht: Aus gebrauchtem Bratfett oder dem Öl von eingelegten Oliven, auch aus abgelaufener oder verdorbener Butter oder Margarine kann Biokraftstoff hergestellt werden. Zudem findet der Stoff in der Kosmetikindustrie Verwendung. 1,2 Liter Altspeisefett – das ist das Volumen eines Sammelbehälters – lassen sich nach Firmenangaben im Verlauf des Upcyclingprozesses zu einem nachhaltigen Biokraftstoff veredeln, mit dem ein Auto rund 20 Kilometer zurücklegen kann. 

Ein weiterer Vorteil kommt vor allem den Kommunen zugute, in deren Abwasserrohre und Kläranlagen das Fett oftmals ankommt, wenn es beispielsweise in flüssiger Form in den Ausguss gekippt wird und danach erkaltet und fest wird. Verstopfte Pumpen und erhöhte Reinigungszyklen der Kläranlagen sind mögliche Folgen. Das aber geht ins Geld. Die Alternative, das Fett etwa in den Wertstoffhöfen des Kreises Roth, dem Kreisbauhof in Abenberg oder verschiedenen Kläranlagen abzugeben, nimmt fast kein Verbraucher wahr. 

Anders bei der aus Thalmässing initiierten Sammelaktion: Im vergangenen Jahr sind fast 29000 Kilogramm Altfett mit der Aktion gesammelt worden – das sind bereits 40 Prozent mehr als noch 2019. Die Testregion Allersberg, Heideck, Hilpoltstein, Greding und Thalmässing komme mittlerweile auf eine Sammelquote von einem halben Liter pro Kopf. “Die Leute nehmen es an”, schlussfolgert Hubert Zenk. Die fleißigsten Sammler im südlichen Landkreis Roth sind im Übrigen die Thalmässinger: Sie schafften 0,57 Liter pro Kopf. 

HK, Volker Luff

Leuchtturm für den Wirtschaftsstandort

Bild: Die Neubauten der Firma Lesch im Gewerbegebiet beeindrucken die Besucher ebenso wie die innovative Firma selbst. | Foto: CSU Thalmässing

CSU-Ortsverband besichtigt das innovative Recyclingunternehmen Lesch – Informationen über Rohstoff Altfett

Thalmässing (HK) Groß ist das Interesse des CSU-Ortsverbandes Thalmässing beim Besuch des Altfettrecyclingunternehmens Lesch im Gewerbegebiet des Kernorts gewesen.

30 Leute nahmen daran teil. Schließlich gibt es dort einiges zu sehen: Zum einen hat sich das Unternehmen in jüngster Zeit auf einem eigens erschlossenen Areal deutlich vergrößert, zum anderen bestimmt es mit dem Pilotprojekt zum Sammeln von Altspeisefett in Privathaushalten Schlagzeilen in ganz Deutschland.  

In einem beeindruckenden Vortrag zeigte der heutige Firmeninhaber Heiko Lesch den Besuchern auf, wie wertvoll der Rohstoff Altfett ist und wie sich die Firma nach der Gründung durch seinen Vater Willi Lesch rasant entwickelt hat – vom Einzelunternehmer zu einem der größten Arbeitgeber in der Marktgemeinde Thalmässing mit 80 Mitarbeitern. 

Den positiven Eindruck verstärkte Leschs Mitarbeiter Hubert Zenk; der Projektleiter ging ausführlich auf die Aktion “Jeder Tropfen zählt” ein, die derzeit unter anderem in den fünf Kommunen der ILE Jura-Rothsee erfolgreich läuft. Beeindruckt zeigten sich die Besucher auch von den Neubauten, wo man mit nachhaltigen und umweltschonenden Baustoffen sowie den modernen Arbeitsplätzen ein Zeichen gesetzt hat. Auch wurde beim Bau Wert darauf gelegt, mit regionalen Betrieben zusammenzuarbeiten, um auch hier lange Anfahrtswege zu vermeiden. Die Besucher waren sich einig, dass sich die Gemeinde glücklich schätzen dürfe, einen solch innovativen und aufstrebenden Betrieb am Ort zu haben. 

Bericht aus dem Donaukurier/Hilpoltsteiner Kurier vom 09.08.2019. Quelle: https://www.donaukurier.de/lokales/hilpoltstein/Leuchtturm-fuer-den-Wirtschaftsstandort;art596,4281553

Viel Stoff für die kleinen Forscher: Vorschulkinder verfolgen Weg des Altfetts vom Verbraucher in den Autotank

Bericht aus dem Donaukurier vom 31.07.2019, Quelle:
https://www.donaukurier.de/lokales/hilpoltstein/Viel-Stoff-fuer-die-kleinen-Forscher;art596,4271542

Thalmässing (HK) Ganz viele Informationen, die sie für ihr Projekt im Rahmen der Aktion “Haus der kleinen Forscher” brauchen, haben jetzt die Vorschulkinder aus dem Kindergarten Regenbogen gesammelt: Sie waren zu Gast im Altfettrecyclingbetrieb Lesch und fragten dem Chef ein Loch in den Bauch.

Probieren geht über Studieren – diesen Satz haben die kleinen Forscher längst verinnerlicht. Sie versuchten, das Fett mit Spülmittel zu reinigen. Dann war aber nicht nur der Dreck, sondern auch das Fett weg. Beim Reinigungsversuch mit Wasser setzte sich das Fett oben als Film ab. Und wenn man das Öl in der Salatschleuder rotieren lässt, wird es zwar heller, aber nicht sauber. Jeder Versuch warf neue Fragen auf. 

115000 gelbe Behälter, die je 180 Liter fassen, sammelt die Firma Lesch im Jahr ein. Das Fett wiegt so viel wie 3200 Elefanten. Heiko Lesch lüftet das Geheimnis und öffnet einen der Rückgabebehälter für die grünen Dosen. Wie im Alltag Fett gesammelt wird, zeigt er zusammen mit Elisa (Bilder im Uhrzeigersinn). | Foto: Karch
115000 gelbe Behälter, die je 180 Liter fassen, sammelt die Firma Lesch im Jahr ein. Das Fett wiegt so viel wie 3200 Elefanten. Heiko Lesch lüftet das Geheimnis und öffnet einen der Rückgabebehälter für die grünen Dosen. Wie im Alltag Fett gesammelt wird, zeigt er zusammen mit Elisa (Bilder im Uhrzeigersinn). | Foto: Karch

Doch ganz falsch lagen die Kinder mit ihren Versuchen nicht, wie ihnen Heiko Lesch bei ihrem Besuch versichert. “Das, was ihr im Kleinen gemacht habt, machen wir im Großen. ” Weil in den großen Maschinen aber die meisten Vorgänge nicht beobachtet werden können, zeigt Lesch den Kindern mit Alltagsgegenständen, wie aus altem Fett der Grundstoff für wertvollen Biodiesel wird. Das gesammelte Altfett wird erwärmt und durch ein großes Sieb gegossen. Das hält zum Beispiel die Reste von Fleischküchle und Semmelbröseln vom Schnitzel zurück. In einer Zentrifuge – einer großen Salatschleuder oder Waschmaschinentrommel – werden die feineren Reststoffe entfernt. Wenn das Fett ganz sauber ist, wird es von Tanklastzügen geholt und zu Betrieben gebracht, die daraus den Biodiesel herstellen. Fast wie bestellt rollt so ein Lastzug auf den Hof und lässt den Tank mit Fett volllaufen – ganz genau beobachtet von den Vorschulkindern. 

Die wollen auch wissen, woher denn das alte Fett überhaupt kommt. “Das sammeln wir bei Gaststätten ein, zum Beispiel in der Krone und beim Gerberwirt in Thalmässing oder auch bei McDonalds und Burger King. ” Natürlich auch bei der Gastwirtschaft in Eckmannshofen. Denn da waren die Kinder vorher, um an der Kerwa Bratwürste zu essen. Das Fett, in denen die Würste gebraten wurden, wird danach in einen Sammelbehälter geschüttet, der 180 Liter fasst. “Was schätzt ihr, wie viele solcher Tonnen wir im Jahr einsammeln”, will Heiko Lesch wissen. Die Kinder rätseln: 20 Behälter oder doch eine Million? Es sind 115000 Boxen im Jahr, erklärt Lesch. Und er kann den Kindern auch anschaulich machen, was das gesammelte Fett wiegt. Im Hilpoltsteiner Kurier hat er nämlich gelesen, dass beim Schulbustraining das Gewicht eines Busses in der Einheit Elefanten angegeben wurde. Ein Bus wiegt so viel wie vier Elefanten, das im Jahr gesammelte Fett so viel wie 3200 Elefanten. “Das ist megaviel”, staunen die Kinder. 

Foto: Karch
Foto: Karch

Immer wieder fällt der Blick der Kinder auf die großen, grünen Sammelbehälter, deren Geheimnis sie schon seit Monaten lüften wollen. Heiko Lesch hat im wahrsten Sinn des Wortes den Schlüssel dazu. Er sperrt die Behälter auf, in denen die dreieckigen Dosen mit altem Fett zurückgegeben werden können. Sie werden in einer großen Wanne aufgefangen und für jeden gebrauchten Behälter kommt wieder eine frische Dose heraus. 

Die Kinder können auch eine Neuheit bestaunen, die erst vor wenigen Tagen aufgebaut wurde: die Spülmaschine für die gebrauchten Dosen. Die sind nach dem Spülen zwar wieder sauber, riechen aber nicht wirklich frisch, eher nach Plastik – was die Kinder monieren. “Wir haben gerade eben in einer Besprechung festgelegt, dass wir jede Dose mit Duftspray besprühen”, informiert Heiko Lesch und die Kinder nicken zufrieden. 

Dass das Motto dieser Sammelaktion “Jeder Tropfen zählt” heißt, wissen sie. Sie erfahren aber auch, dass Heideck momentan vor Thalmässing liegt, was das Sammelergebnis pro Einwohner betrifft. Und die Gemeinde, die diesen Wettstreit gewinnt, bekommt eine Tischtennisplatte geschenkt. Also: Jeder Tropfen zählt. 

Bericht: Andrea Karch

Thalmässing und Heideck ringen um Spitzenplatz

“Das Sammelsystem funktioniert”: Altfett-Recyclingfirma Lesch zieht zufrieden Zwischenbilanz über Pilotprojekt

Quelle: Donaukurier vom 05.07.2019, Author: Volker Luff,
https://www.donaukurier.de/lokales/hilpoltstein/Thalmaessing-und-Heideck-ringen-um-Spitzenplatz

Thalmässing/Hilpoltstein (HK) Auf nicht ganz eineinhalb Jahre ist der Pilotversuch angelegt, den die Thalmässinger Recyclingfirma Lesch in den fünf Kommunen der ILE Jura-Rothsee sowie in Teilen von Fürth und Erlangen durchführt – jetzt ist Halbzeit für die Sammlung von Altfetten und -ölen in Privathaushalten unter dem Motto “Jeder Tropfen zählt”.

Der Projektleiter Hubert Zenk zieht nach den ersten Erfahrungen erfreut Zwischenbilanz. “Für uns steht bereits heute fest: Es besteht großes Sammlungspotenzial, wenn man umweltbewussten Haushalten in Deutschland ein modernes Sammelsystem anbietet. “

Insgesamt sind laut Zenk bereits mehr als neun Tonnen gebrauchte Speiseöle in den Pilotkommunen gesammelt worden. Mit dieser Menge könnte ein Auto vier Mal um die Erde fahren – mit um 90 Prozent geringeren CO2-Emissionen. Das bisherige Ergebnis lasse erwarten, dass die für den Pilotzeitraum gesteckten Zielmengen sehr wahrscheinlich übertroffen werden, so Zenk.

Der Blick aufs Detail verrät aber noch viel mehr. Zum Beispiel, dass die Menschen umso fleißiger sammeln, je ländlicher ihr Wohnort ist. Erlangen beispielsweise schneidet so schlecht ab, dass man dort laut der Firma Lesch nicht unbedingt sieben Sammelautomaten benötigen würde. Dennoch sind hier bislang immerhin rund 1,8 Tonnen zusammengekommen. Deutlich besser läuft es in Fürth mit einer Altfettmenge von vor-aussichtlich 400 Gramm pro Person und Jahr. Das Ziel waren ursprünglich lediglich 350 Gramm. In der Kleeblattstadt habe eine umfangreiche Plakataktion fürs Sammeln geworben, sagt Zenk. Zudem habe die Verteilung der grünen Behälter durch Mittelschüler große Aufmerksamkeit erzeugt.

Dass das leichte Erhalten der Behälter die Sammelmenge stark beeinflusst, lässt sich an Hilpoltstein beobachten: Hier mussten und müssen die Menschen ihre erste Dose in der Stadtverwaltung abholen, danach erhalten sie wie in allen anderen Orten Ersatz am Sammelautomaten – eine saubere, leere für eine volle. In den anderen vier ILE-Kommunen wurden die Behälter anfangs verteilt. Bisher seien in Hilpoltstein schon über 2600 Behälter von Bürgern abgeholt worden, so Zenk, wohl rund ein Drittel der Haushalte beteilige sich somit an der Sammelaktion. Es lasse sich deshalb eine zeitliche Verschiebung beobachten, “wir erwarten in der zweiten Jahreshälfte und den Folgejahren größere Sammelmengen als bisher”. Die gesammelte Menge pro Haushalt, der mitmacht, liege auf dem Niveau der anderen ILE-Kommunen.

Diese liegen allesamt jenseits der angestrebten 350 Gramm. pro Einwohner und Jahr. Sammel-Spitzenreiter sind bisher die Stadt Heideck und der Markt Thalmässing mit hochgerechneten Jahresmengen von mehr als einem halben Kilogramm pro Einwohner. Ginge es exakt so weiter wie bisher, würde sich nach einem ganzen Jahr Heideck die Krone aufsetzen – mit 580 Gramm, knapp vor Thalmässing (564 Gramm), danach folgten Greding (470 Gramm) und Allersberg (376 Gramm). Hilpoltstein läge zwar mit 162 Gramm abgeschlagen auf dem letzten Platz – noch weit hinter Fürth (429 Gramm) und Erlangen (304 Gramm) -, würde mit seiner anderen Verteilung der Behälter aber wichtige Hinweise für das Pilotprojekt liefern.

Dort, wo die kleinen, grünen Sammelbehälter verteilt worden sind, rechnet Hubert Zenk bei vorsichtiger Schätzung mit einem durchschnittlichen Ergebnis von 420 Gramm am Ende eines Jahres pro Bürger. Etwas optimistischer gerechnet, könnten es sogar 480 Gramm sein. Der Unterschied klingt marginal, gerade einmal 60 Gramm. Er gewinnt aber an Bedeutung, wenn man die bisherige Sammelmenge betrachtet – denn schon vor dem Feldversuch konnten die Bürger im Kreis Roth ihr Altfett an den Recyclinghöfen abgeben. Außerhalb der ILE-Gemeinden tun sie das – im Idealfall – noch heute. Die auf diese Weise gesammelte Menge hat laut Landratsamt im Jahr 2017 rund 30 Gramm pro Bürger betragen.

Bayernweit lag das Ergebnis an den Wertstoffhöfen laut Zenk im Jahr 2013 bei 60 Gramm. Mit ein paar Verbesserungen ist es nicht unwahrscheinlich, dass im Pilotgebiet das Zehnfache erreicht wird. Wie Zenk stolz verkündet: “Das Sammelsystem funktioniert.”

Aus gebrauchtem Bratfett oder dem Öl von eingelegten Oliven, auch aus verdorbener oder abgelaufener Butter oder Margarine kann Biokraftstoff hergestellt werden. Während gastronomische Betriebe und die Industrie bereits verpflichtet sind, diese Speisefette – der Fachbegriff lautet UCO (Used Cooking Oil) – zu sammeln und recyceln zu lassen, wird das aus Privathaushalten stammende Material in der Regel nicht verwertet. Das zu ändern, ist das Ziel der Recyclingfirma Lesch, die deshalb ein Pilotprojekt angestoßen hat. Ist es erfolgreich, soll das Sammeln mittel- und langfristig auf Bayern oder gar bundesweit ausgedehnt werden.

In das bayerische – vielmehr mittelfränkische – Pilotprojekt sind mehr als 60000 Bürger in etwa 27000 Haushalten integriert. An 20 Sammelautomaten können die rund 30000 ausgegebenen Sammelbehälter gefüllt abgegeben und gegen leere Behälter getauscht werden. Finanziell gefördert wird das Projekt von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU). Projektpartner ist der Mittelstandsverband abfallbasierter Kraftstoffe (MVaK).

Am Ende muss sich das Ganze natürlich auch für den Anbieter rechnen, der Umweltschutzgedanke reicht nicht aus. Es sei denkbar, Sponsoren zu finden, heißt es bei der Firma Lesch, die sich nicht nur ums Recycling kümmert, sondern auch um die gesamte Logistik. Beispielsweise sorgt sie dafür, dass die Sammelcontainer geleert werden und saubere Behälter zur Verfügung stehen. Doch gibt es an den Automaten auch immer wieder Probleme, teilweise werden sie trotz Beschreibung falsch bedient oder verstopft. Das verursacht Kosten. Eine erste Erkenntnis des Pilotprojekts ist, dass eine Zeichen- und Bildsprache entwickelt werden soll. Erste Aussagen zur Wirtschaftlichkeit des Projekts sollen im Herbst 2019 vorliegen, um eine Entscheidungsgrundlage zur möglichen Ausweitung der Sammlung zu schaffen.